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• KIG - Kieferorthopädische Indikationsgruppen

KIG - Das Schema zur Einstufung des kieferorthopädischen Behandlungsbedarfs anhand kieferorthopädischer Indikationsgruppen

Die Zuordnung zu einer Behandlungsbedarfsgruppe findet unmittelbar vor Behandlungsbeginn statt.
Anlage 1 zu Abschnitt B Nr. 3 der KFO-Richtlinien
Behandlungs
bedarf
Grad 1 2 . 3 4 5
Kraniofaciale
Anomalien
A . . . . Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bzw.
andere kraniofaciale Anomalie
Zahnunterzahl
(Aplasie oder Zahnverlust)
U . . . Unterzahl
(nur wenn präprothetische Kieferorthopädie oder kieferorthopädischer Lückenschluss indiziert)
.
Durchbruchsstörungen S . . .. Retention
(außer 8er)
Verlagerung
(außer 8er)
Sagittale
Stufe
distal D bis 3 mm über 3,
bis 6 mm
. über 6, bis 9 mm über 9 mm
mesial M . . . 0 bis 3 mm über 3 mm
Vertikale
Stufe
offen
(auch seitlich)
O bis 1 mm über 1,
bis 2 mm
über 2,
bis 4 mm
über 4 mm
habituell offen
über 4 mm
skelettall offen
tief T über 1, bis 3 mm über 3 mm,
ohne/mit
Gingivakontakt
über 3 mm,
mit traumatischem
Gingivakontakt
. .
Transversale
Abweichung
B . . . Bukkal- / Lingualokklusion .
K . Kopfbiss beidseitiger
Kreuzbiss
einseitiger
Kreuzbiss
.
Kontaktpunktabweichung
Engstand
E unter 1 mm über 1,
bis 3 mm
über 3,
bis 5 mm
über 5 mm .
Platzmangel P . bis 3 mm über 3,
bis 4 mm
über 4 mm .

Es reicht, wenn ein Patient in einer Befundgruppe einen Schweregrad größer als 2 erreicht, dann wird die Behandlung komplett von der Krankenkasse übernommen. Es gilt also bei mehreren Anomalien diejenige mit der stärksten Ausprägung.


Erläuterung der Redaktion zu den Behandlungsbedarfsgraden 1-2 und 3-5
G
Grad 1 und 2: Eine Behandlung wird als Privatleistung durchgeführt, weil ...
1 eine leichte Zahnfehlstellung vorliegt, die aus ästhetischen Gründen zwar behandelt werden kann, deren Behandlung allerdings nur als Privatleistung angeboten wird.
2 eine Zahnfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen eine Korrektur erforderlich macht, deren Behandlungskosten jedoch wegen des geringeren Ausprägungsgrades der Zahn- und/oder Kieferfehlstellung nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen wird.

G
Grad 3 bis 5: Eine Behandlung wird nach dem Kostenerstattungsprinzip Ihrer gesetzlichen Krankenkasse durchgeführt, weil ...
3 eine ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen eine Behandlung erforderlich macht.
4 eine stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen dringend eine Behandlung erforderlich macht.
5 eine extrem stark ausgeprägte Zahn- und/oder Kieferfehlstellung vorliegt, die aus medizinischen Gründen unbedingt eine Behandlung erforderlich macht.

Erläuterung der Redaktion zu den Behandlungsbedarfsgruppen
G
Die Behandlungsbedarfs(befunds)gruppen
A Entwicklungsstörungen des Kopfbereiches sind und bleiben im Leistungskatalog der GKV.
U Zahnunterzahlen - also das Fehlen von Zähnen aufgrund einer Nichtanlage - sind im Leistungskatalog der GKV enthalten, wenn ein Lückenschluss notwendig ist oder eine KFO-Behandlung vor der prothetischen Versorgung erforderlich ist.
S Bei Zahndurchbruchsstörungen wird eine KFO-Behandlung von der GKV gezahlt - mit Ausnahme von Durchbruchsstörungen der Weisheitszähne.
D Eine Therapie distaler Bisslagen (also z.B. die Rücklage des Unterkiefers) wird nur noch dann bezahlt, wenn die Rückverlagerung mehr als 6 mm beträgt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass schon eine Rücklage ab 3 mm in der Regel aus funktionellen Gründen therapiert werden sollte. Diese "leichte Ausprägung" einer Fehlstellung ist selbst zu bezahlen.
M Mesiale Bisslagen (z.B. ein vorstehender Unterkiefer) bleiben im Leistungskatalog der GKV.
O Der offene Biss, ist auch bei geringer Ausprägung behandlungsbedürftig- jedoch erst ab einer Ausprägung von 4 mm oder mehr im Leistungskatalog der GKV enthalten. Bei geringerer Ausprägung muss die Behandlung daher privat finanziert werden.
T Tiefbissfälle werden nur dann auf Kosten der GKV therapiert, wenn es zu einem Einbiss der unteren Frontzähne in die Gaumenschleimhaut (traumatischer Gingivakontakt) kommt! Tiefe Bisse - ohne traumatischen Einbiss in die Gingiva - sollten auch behandelt werden, sind jedoch Privatleistung.
B Bukkal- oder Lingualokklusion, d.h. das "Vorbeibeißen" von Seitenzähnen bleibt im Leistungskatalog der GKV.
K Bei Abweichung der Kieferbreiten kommt die GKV nur dann für die Therapie auf, wenn bereits eine Kreuzbisssituation herrscht. Eine - unbedingt notwendige - Korrektur des Kopfbisses geschieht allerdings auf eigene Kosten.
E Bei Kontaktpunktabweichungen (z.B. bei Engstand) werden ab einer Ausprägung von mehr als 3 mm auf Kosten der GKV therapiert.
P Platzmangelsituationen können nur noch dann auf Kosten der GKV therapiert werden, wenn der Platzmangel mehr als 3 mm beträgt.

Bislang wurden medizinisch notwendige kieferorthopädische Behandlungen von den gesetzlichen Kankenversicherungen bezahlt, wenn der Patient zu Beginn der Behandlung das 18. Lebensjahr nicht vollendet hatte. Mit den "Kieferorthopädischen Indikationsgruppen" - kurz KIG hat sich dies geändert. Mehr über das KIG: >>>
Das "Kieferorthopädische Indikationssystem" der gesetzlichen Krankenkassen.



Ausführliche Informationen:
Das "Kieferorthopädische Indikationssystem" der gesetzlichen Krankenkassen | KIG - Die Ausnahmen im Milch- und frühen Wechselgebiss | Kieferorthopädie |

LEXIKON:
Kieferorthopäde | Kieferorthopädie | Orthodontie |
 
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